Burundi, Republik in Ostafrika, grenzt im Norden an Ruanda, im Osten und Süden an Tansania und im Westen an den Tanganyikasee und an die Demokratische Republik Kongo. Das Land umfasst ein Gebiet von 27 834 Quadratkilometern und ist eines der kleinsten Länder des afrikanischen Kontinents.
Ländlicher Raum in Burundi Große Flächen des tropischen Regenwaldes mussten in den vergangenen Jahren landwirtschaftlich genutzten Anbaugebieten weichen.
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LAND
Burundi erstreckt sich weitgehend auf einem hügeligen Plateau, das im Mittel ungefähr 1 520 Meter hoch liegt. Gegen Osten und Südosten fällt das Land allmählich ab. Das schmale westliche Randgebiet des Landes, dessen Grenze der Fluss Ruzizi und der Tanganyikasee markieren, liegt im Ostafrikanischen Grabensystem. Die wichtigsten Flüsse sind Ruzizi, Malagarasi und Ruvuvu.
Klima
Das Klima ist tropisch, im Hochland herrschen jedoch mildere Temperaturen vor. Im Jahresdurchschnitt erreichen die Temperaturen auf dem Plateau 21,1 °C und im Graben 24,4 °C. Es gibt eine Trockenperiode, die von Mai bis August dauert, und gelegentliche Dürreperioden.
Flora und Fauna
Die dominierende Vegetationsform des Landes ist die Grassavanne. Die verbreitetsten Baumarten sind Eukalyptus, Akazie und Ölpalme. 3,7 Prozent der Gesamtfläche sind bewaldet. Ein Großteil der ehemals ausgedehnten Waldgebiete wurde abgeholzt, um Raum für Weide- und Anbauflächen zu schaffen. Es gibt eine große Vielfalt wild lebender Tiere: Elefanten, Nilpferde, Krokodile, Wildschweine, Leoparden, Antilopen und Loris sowie Perlhühner, Enten, Gänse, Wachteln und Schnepfen. Etwa 5,3 Prozent (2000) der gesamten Landesfläche sind als offizielle Schutzgebiete vor der Erschließung geschützt.
BEVÖLKERUNG
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 6,10 Millionen (2003). Mit einer Bevölkerungsdichte von 219 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Burundi eines der am dichtesten besiedelten Länder Afrikas. 91 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land. Die größte ethnische Gruppe sind die Hutu (85 Prozent), gefolgt von den Tutsi (14 Prozent) und der Pygmäenethnie Twa (weniger als 1 Prozent).
Die Amtssprachen sind Kirundi und Französisch, in weiten Teilen des Landes wird auch Suaheli gesprochen. Ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung sind Christen, überwiegend römisch-katholisch. Der Rest gehört dem Islam oder traditionellen Religionen an.
In Burundi leiden 4 Millionen Menschen an Unterernährung. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 43,2 Jahren, die Kindersterblichkeitsrate bei 72 Sterbefällen pro Tausend Lebendgeburten (2003).
Die Hauptstadt ist Bujumbura, in der etwa 321 000 Menschen leben. Gitega ist eine ehemalige königliche Residenzstadt mit etwa 100 000 Einwohnern.
KULTUR, BILDUNG, MEDIEN
Klassische Trommeln Burundis Zu den Herrschaftsinsignien und zum höfischen Kult der Stammesfürsten von Burundi gehörte einst das Trommelschlagen, das sich bis in unsere Tage in dem afrikanischen Land erhalten hat und bei Festivals heute als Ausdruck kultureller Tradition erklingt.
Im kulturellen Leben Burundis stehen Musik und Tanz im Mittelpunkt. Aufgrund der allgemeinen Desorganisation des Landes infolge von Diktatur und Bürgerkrieg hatten sowohl andere Künste wie Literatur und Wissenschaften als auch das Bildungssystem in den letzten Jahrzehnten kaum Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Analphabetenquote liegt bei 65 Prozent (Frauen 78 Prozent, Männer 50 Prozent). Einer sechsjährigen Grundschulzeit folgt eine siebenjährige Sekundarschulzeit, die meist in Internaten verbracht wird - jedoch hat nur die Hälfte der Kinder Gelegenheit zum Schulbesuch. Die einzige Universität des Landes wurde 1960 in Bujumbura gegründet.
Analog zur äußerst prekären Lage der Menschenrechte in Burundi ist die Situation der Presse von Rechtlosigkeit geprägt. Die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt. Die Medien werden staatlich kontrolliert, die Armee verhindert eine unabhängige Berichterstattung. Die staatliche Rundfunk- und Fernsehanstalt "Radiodiffusion et Telévision Nationale du Burundi" (RTNB) sendet auf Kirundi, Kisuaheli und Französisch. "Radio Publique Africaine" ist ein privater Radiosender. Als Regierungszeitung erscheint "Le Renouveau". Im Jahr 2000 verfügten 2 000 Nutzer über einen Zugang zum Internet.
VERWALTUNG UND POLITIK
Seit 1966 ist Burundi eine Präsidialrepublik. Der Staatspräsident wird für fünf Jahre direkt gewählt. Die ersten demokratischen Wahlen seit der 1962 erlangten Unabhängigkeit fanden im Juni 1993 statt. Nach dem Militärputsch vom Juli 1996 wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt. Im Juni 1998 trat eine Übergangsverfassung in Kraft. Oberstes Legislativorgan ist das Übergangsparlament, in dem Abgeordnete aller politischen und gesellschaftlichen Gruppen vertreten sind.
Burundi gliedert sich politisch in 15 Provinzen, die wiederum aus Arrondissements und Kommunen bestehen.
WIRTSCHAFT
Burundi ist eines der ärmsten Länder der Erde. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 689 Millionen US-Dollar (2001; Dienstleistungen 31,3 Prozent, Industrie 18,7 Prozent, Landwirtschaft 50 Prozent). Die Außenhandelsbilanz ist stark negativ.
Landwirtschaft
Ancholi-Rind von Burundi Die ausgedehnten Savannen dienen vielen Tieren als ergiebige Weidegründe.Food and Agriculture Organization of the United Nations
Die Subsistenzwirtschaft, der Anbau von Agrarprodukten für den Eigenbedarf, ist die verbreitetste Form der Nahrungsmittelversorgung. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte sind Maniok, Bataten, Bananen, Bohnen, Erbsen und Hirse. Exportiert wird in erster Linie arabischer Kaffee (15 000 Tonnen Jahresproduktion 2002), aber auch Baumwolle und zunehmend Tee. 2002 umfasste der Viehbestand 315 000 Rinder, 230 000 Schafe und 600 000 Ziegen. Mit dem Besitz von Rinderherden ist soziales Prestige verbunden. Die Überbeanspruchung des Bodens als Weideflächen führt zu starker Bodenerosion.
Industrie
Der Bergbau beruht auf dem Abbau geringer Mengen an Gold, Bastnäsit (siehe Seltenerdmetalle) und Kassiterit (ein Zinnerz). Bedeutende Uran-, Nickel- und Torfvorkommen wurden wirtschaftlich noch nicht genutzt. Die verarbeitende Industrie in Burundi beschränkt sich weitgehend auf die Erzeugung von Agrarprodukten. Weitere Erzeugnisse sind Textilien, Zement und Insektenvernichtungsmittel.
Währung und Außenhandel
Die Währung des Landes ist der Burundi-Franc (= 100 Centimes). Die wichtigsten Exportgüter neben Kaffee, der etwa 75 Prozent des Exportvolumens ausmacht, sind Baumwolle, Felle und Tee. Textilien, Kraftfahrzeuge, Mehl und Erdölprodukte werden importiert, überwiegend aus Westeuropa. Das Zahlungsbilanzdefizit ist auch aufgrund der Folgen des Bürgerkrieges hoch.
Verkehrswesen
In Burundi gibt es keine Eisenbahn. Das Straßennetz ist etwa 5 900 Kilometer lang. 7 Prozent der Straßen sind asphaltiert. Der Handel verläuft überwiegend über den Seeweg, die Waren werden vom Hafen von Bujumbura am Tanganyikasee nach Tansania, Sambia und in die Demokratische Republik Kongo verschifft. Bujumbura hat einen internationalen Flughafen.
GESCHICHTE
Pierre Buyoya Pierre Buyoya putschte sich zweimal in Burundi an die Macht: 1987 beendete er das Gewaltregime des Diktators Jean-Baptiste Bagaza, musste aber nach seiner Wahlniederlage 1993 das Präsidentenamt wieder räumen. 1996 ergriff er während des Bürgerkrieges erneut die Macht; es gelang ihm, sein Land zu zwar labilen, aber relativ friedlichen Verhältnissen zurückzuführen.Corbis/AFP
Die ersten Bewohner Burundis waren vermutlich die Twa. Im frühen 14. Jahrhundert kamen die Hutu ins Land und zwangen der einheimischen Bevölkerung ihre Sprache und Kultur auf. Im 15. Jahrhundert entstand ein Königreich, als die einwandernden Tutsi die Hutu unterwarfen, die sie schon im benachbarten Ruanda beherrschten. Burundi hatte ein Kastensystem und wurde von einem Monarchen, dem Mwami, regiert. Anders als in Ruanda gab es in Burundi Mischehen zwischen Hutu und Tutsi. Die Hutu besaßen in diesem Land auch größere wirtschaftliche Unabhängigkeit als in Ruanda.
Burundi (das damals Urundi hieß) wurde in den späten achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts von den Deutschen besetzt und zusammen mit Ruanda an Deutsch-Ostafrika angeschlossen. Nach dem 1. Weltkrieg erhielt Belgien vom Völkerbund das Mandat für das Gebiet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es zu einem Treuhandgebiet der Vereinten Nationen erklärt, dessen Verwaltung weiterhin Belgien oblag.
Seit dem 1. Juli 1962 war der Staat eine unabhängige konstitutionelle Monarchie und wurde im September desselben Jahres in die Vereinten Nationen aufgenommen. Die politische Rivalität zwischen den Hutu und Tutsi bedrohte jedoch die Stabilität des Landes. Die Macht lag in den Händen der Tutsi, obwohl nach den Wahlen von 1965 die Hutu in der Legislative die Mehrheit besaßen. Im Oktober 1965 unternahm eine Gruppe von Armee- und Polizeiangehörigen der Hutu einen Putschversuch gegen Mwami Mwambutsa IV. Loyale Tutsi-Truppenteile unter der Führung von Hauptmann Michel Micombero schlugen jedoch den Aufstand nieder. Im Juli 1966 wurde Mwami Mwambutsa IV. von seinem Sohn, Mwami Ntare V., abgesetzt. Vier Monate später putschte Micombero erfolgreich. Er erklärte Burundi zur Republik, ernannte sich zum Präsidenten und gründete ein Nationales Revolutionskomitee, das sein Regime festigen und zur Entwicklung der Wirtschaft beitragen sollte. Im April 1972 führte ein Aufstand der Hutu zu einem Massaker, dem auch Ntare, der unter Hausarrest stand, zum Opfer fiel. Der Aufstand wurde unterdrückt, aber die Unruhen dauerten an. Tausende von Hutu flüchteten in die benachbarten Länder.
Präsident Micombero wurde im November 1976 in einem unblutigen Staatsstreich entmachtet. Ein Oberster Revolutionsrat ernannte in der Folge Jean Baptiste Bagaza zum Präsidenten, aber der Frieden zwischen den herrschenden Tutsi und der Hutu-Mehrheit blieb in Gefahr. 1981 wurde in Burundi laut Verfassung das Einparteiensystem eingeführt. Bagaza, der 1984 ohne einen Gegenkandidaten wiedergewählt worden war, wurde im September 1987 durch einen Militärputsch entmachtet. Neuer Präsident wurde Major Pierre Buyoya, der das Land an der Spitze des "Militärkomitees zur Rettung der Nation" regierte. Den im August 1988 wieder ausbrechenden Kämpfen zwischen den Hutu und den Tutsi fielen mindestens 5 000 Menschen zum Opfer. Im März 1992 wurde durch einen Volksentscheid eine neue Verfassung verabschiedet, die ein Mehrparteiensystem garantierte.
Im Juni 1993 fanden in Burundi die ersten demokratischen Präsidentschaftswahlen seit der Unabhängigkeit statt. Melchior Ndadaye, ein Hutu und Mitglied der Demokratischen Front von Burundi, gewann die Wahlen mit 60 Prozent der Stimmen und berief mit Sylvie Kinigi eine Frau in das Amt des Premierministers - ein Novum im modernen Afrika. Aber bereits weniger als einen Monat nach den Wahlen wurde Ndadaye bei einem Putschversuch getötet; sein Tod hatte eine Welle blutiger Kämpfe zwischen den Volksgruppen zur Folge, und Hunderttausende flüchteten in das Nachbarland Ruanda. Nachfolger Ndadayes wurde Cyprien Ntaryamira. Er versuchte die Ordnung wieder herzustellen, indem er die von den Tutsi dominierten Sicherheitskräfte, die in die gewalttätigen Ausschreitungen verwickelt waren, unter seine Kontrolle brachte. Am 6. April 1994 kam Ntaryamira zusammen mit Juvénal Habyarimana, dem Präsidenten von Ruanda, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Es handelte sich dabei um ein Attentat, das Flugzeug war mit Raketen beschossen worden. Das Amt des Präsidenten von Burundi übernahm Sylvestre Ntibantunganya. Neuerliche Kämpfe zwischen den rivalisierenden Volksgruppen flammten auf. Auch musste das Land mit einem Flüchtlingsstrom aus Ruanda fertig werden. Denn nach dem Tod von Habyarimana waren in dem Nachbarland bei Massakern zwischen Hutu und Tutsi Hunderttausende von Menschen ums Leben gekommen.
Im Juli 1996 riss Buyoya im Rahmen eines Militärputsches die Macht an sich. Im Juni 1998 trat eine Übergangsverfassung in Kraft. Um die Unterstützung der Hutu-Rebellen durch die ländliche Bevölkerung zu brechen, ließ die Regierung im Herbst 1999 mehrere hunderttausend Hutu aus der Umgebung der Hauptstadt Bujumbura in Flüchtlingslager zwangsumsiedeln.
Im August 2000 unterzeichneten Vertreter von 17 der insgesamt 19 Gruppierungen der verfeindeten Hutu und Tutsi in Arusha (Tansania) ein Friedensabkommen zur Beendigung des ethnischen Bürgerkrieges in Burundi, dem in den vergangenen sieben Jahren über 200 000 Menschen zum Opfer gefallen waren. Der Kompromiss sah die Einsetzung einer Übergangsregierung binnen dreier Monate vor sowie die Abhaltung demokratischer Wahlen nach Ablauf einer Übergangsfrist von drei Jahren und die paritätische Besetzung von Regierung, Parlament und Armee mit Hutu und Tutsi. Eine Übereinkunft hinsichtlich eines Waffenstillstandes enthielt das Abkommen allerdings nicht.
Die Umsetzung des Arusha-Abkommens scheiterte jedoch zunächst an der ungelösten Frage nach der Besetzung der Übergangsregierung; zudem verweigerten maßgebliche Guerillaformationen der Hutu und Tutsi die Zustimmung zu dem Abkommen, lehnten auch einen Waffenstillstand ab. Den Hutu ging das Abkommen nicht weit genug, sie forderten vor allem eine tief greifende Reform der Zusammensetzung der völlig von den Tutsi dominierten Armee; die Tutsi fürchteten den Machtverlust, aber auch ein ähnliches Massaker der Hutu an den Tutsi wie 1994 im benachbarten Ruanda.
Erst im Juli 2001 einigten sich die Konfliktparteien auf die Strukturen und Modalitäten einer Übergangsregierung: Erster Präsident der auf drei Jahre angelegten Übergangsregierung sollte demnach der Tutsi Buyoya werden, Vizepräsident der Hutu Domitien Ndayizeye, und nach der Hälfte der Übergangszeit, also nach 18 Monaten, sollten die beiden ihre Ämter tauschen.
Diesem Abkommen entsprechend wurde am 1. November 2001 Buyoya als Präsident der Übergangsregierung vereidigt, Ndayizeye als Vizepräsident. Das neue, 26-köpfige Kabinett setzte sich aus 12 Tutsi und 14 Hutu zusammen und wurde von 14 politischen Parteien beschickt. Außerdem wurde die Umsetzung weiterer wesentlicher Punkte aus dem Arusha-Abkommen begonnen, darunter die Sitzverteilung im Parlament zu 60 Prozent an Hutu und zu 40 Prozent an Tutsi, die Einführung einer zweiten Parlamentskammer sowie die Besetzung der Armee je zur Hälfte mit Hutu und Tutsi. Zum Schutz und zur Unterstützung der neuen Interimsregierung entsandte Südafrika mehrere Hundert Soldaten nach Burundi. Allerdings trug die Einsetzung der Übergangsregierung vorerst nicht zur Befriedung des Landes bei, verschiedene Rebellengruppen, vor allem Hutu, die die neue Regierung wie das Friedensabkommen ablehnten, setzten ihre Übergriffe verstärkt fort. Am 3. Dezember 2002 vereinbarten Vertreter der burundischen Regierung und der Hutu-Rebellengruppe Forces pour la Défense de la Démocratie (FDD) eine Waffenruhe. Ein weiteres Abkommen sieht vor, Angehörige der FDD in die Regierung aufzunehmen. Die Einbindung der Rebellengruppe Forces Nationales de la Libération (FNL) steht dagegen noch aus.